
Drei UNESCO-WelterbestättenDer gewaltige Speyerer Dom im Süden, das herausragende Kloster Lorsch im Norden der Metropolregion Rhein-Neckar, im Osten der steinerne Limes: Alle drei stehen auf der Liste der Welterbestätten der UNESCO, alle drei symbolisieren historische Besonderheiten der Region. Denn nur was einzigartig ist und universellen Wert besitzt, wird zum Welterbe ernannt und von der UNESCO ausgezeichnet. Der Speyerer Dom wurde 1981 als eines der ersten deutschen Baudenkmäler in die weltweite Liste der UNESCO aufgenommen. Er ist eines der größten und bedeutendsten romanischen Bauwerke Deutschlands. In seiner Krypta ruhen deutsche Kaiser und Könige. Auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Lorsch steht noch heute die „Königshalle“, ihre Arkaden, Pilaster und Wandmalereien zeichnen sie als einzigartiges Bauwerk der karolingischen Renaissance aus, und sogar in einer Handschrift des Nibelungenliedes wird das Kloster erwähnt. Seit 1991 ist es als Welterbestätte anerkannt. Der Limes ist Europas größtes archäologisches Denkmal. Das vor rund 2000 Jahren errichtete Zeugnis der römischen Epoche und Kultur gilt seit 2005 offiziell als Bestandteil des Welterbes. Als Neckar-Odenwald-Limes durchquerte er die Metropolregion, fungierte von 98 bis 159 n.Chr. als Grenzbefestigung. |
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Liselotte von der Pfalz: Schwägerin des Sonnenkönigs„Madame sein ist ein ellendes Handwerck“ – mit diesen Worten beschreibt Liselotte von der Pfalz ihr Leben. Ein Leben, das sie fernab ihrer geliebten Heimat führen muss. Aus politischen Gründen wird die junge Dame 1671 von ihrem Vater, dem Kurfürsten Karl I. Ludwig von der Pfalz, an den Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. nach Frankreich verheiratet. Als „Madame“, das heißt als die Schwägerin des Königs, sie kann dort gut leben; sie darf an Hofgesellschaften teilnehmen, ist lange Zeit sogar gern gesehene Gesprächspartnerin von Ludwig XIV. – eine wahre Ehre. Doch was ist ein Leben wert, das entfernt von Heidelberg ohne das Kurpfälzische geführt werden muss? Zudem ein Leben in dem Bewusstsein, dass wegen ihr der Kurpfälzische Erbkrieg 1688 ausbrach. Denn eigentlich will Kurfürst Karl Ludwig durch die Heirat das Verhältnis zu Frankreich stabilisieren, doch soweit kommt es nicht. Im Gegenteil: Der Sonnenkönig beansprucht die Kurpfalz als Erbe seiner Schwägerin und will seinen Willen militärisch durchsetzen, ganz gegen ihren Willen. Das Ergebnis ist bekannt: Mannheim wird verwüstet, das Heidelberger Schloss zerstört. Liselotte ist nicht zuletzt deswegen unglücklich in Paris. Aber immerhin: Sieben Jahre lang ist sie als Kurpfälzerin sogar einmal die erste Dame im französischen Staat – nach dem Tod Ludwigs XIV. übernimmt ihr Sohn Philipp von Orléans für den unmündigen Urenkel die Regierungsgeschäfte. |
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Heinrich Lanz: Erfinder der ersten automatischen LandmaschineSie ackern, dreschen und erleichtern den Landwirten noch heute das Leben – die flinken Landmaschinen und der Bulldog von Heinrich Lanz / John Deere. Sie wurden in Mannheim erfunden und werden noch heute hier hergestellt. Heinrich Lanz wird 1838 als Sohn eines Speditionsunternehmers geboren. Sehr früh findet der clevere Sprössling heraus, wie man Geschäfte macht. In einem bodenständigen Mannheimer Kolonialwarengeschäft und auf dem heißen Pflaster der französischen Hafenstadt Marseille lernt Heinrich Lanz, zu handeln und zu feilschen. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich richtet er in Mannheim eine Reparaturwerkstatt ein und übernimmt mit 21 Jahren die Importabteilung des väterlichen Familienunternehmens. Schnell begreift Heinrich, was sich zu importieren lohnt: Im 19. Jahrhundert sind Helfer auf den Feldern gefragt – PS-starke Helfer. 1867, mit 29 Jahren, entwickelt Heinrich Lanz eigenständig die erste Futterschneidmaschine und bringt sie auf den Markt. Strohpressen und Dreschmaschinen folgen. Innerhalb kurzer Zeit wird sein Unternehmen zum größten europäischen Anbieter für Landmaschinen und beschäftigt bis zu 1.000 Arbeiter. 1905 stirbt Heinrich Lanz. 16 Jahre nach seinem Tod entwickelt der Ingenieur Fritz Huber in der Lanz’schen Fabrik den ersten Glühkopfmotor für eine Landmaschine – der erste Bulldog rollt aus der Fertigungshalle und geht in Serie. 1956, 200.000 Bulldogs sind bereits gebaut, übernimmt die amerikanische Firma John Deere die Aktienmehrheit an Lanz’ Firma. Noch heute hat John Deere seinen größten Unternehmensstandort außerhalb der USA in Mannheim. Und in Fachkreisen ist der gedrungene, grün-gelbe Traktor Bulldog weltbekannt. |
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Der Vorfahre des NeandertalersLange galt er als der älteste Fund europäischer Urmenschen, er ist unglaubliche 700.000 Jahre alt und vielleicht der Vorfahre des Neandertalers: der homo heidelbergensis. 1907 findet der Sandgräber Daniel Hartmann in einer 24 Meter tiefen Grube in Mauer bei Heidelberg den Unterkiefer eines Urmenschen. Er wird „homo heidelbergensis“ getauft und in den Mittelpunkt umfangreicher Forschungen gestellt. Wissenschaftler haben inzwischen herausgefunden, dass der Urmensch im Alter von etwa 40 Jahren gestorben ist. Er war schlank, ungefähr 1,70 Meter groß, hatte eine steile Stirn und kleine Augenwülste, ein wenig ausgeprägtes Kinn und lief aufrecht. Ernährt hat sich der homo heidelbergensis von Beeren und Nüssen, er litt an Arthrose und hatte Parodontose. Vermutlich lebte der Urmensch in regenreichem und warmem Klima. Trotz dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse über den „Mann aus Mauer“ ist noch vieles im Unklaren: Woran starb der homo heidelbergensis? Ist er im Neckar ertrunken? Wie und mit wem hat er gelebt? Die Förderung der Erforschung des homo heidelbergensis und seines Umfeldes ist eines der Ziele des Vereins Homo heidelbergensis von Mauer. |
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Friedrich Daniel Bassermann: Unternehmer und Politiker aus Leidenschaft Friedrich D. Bassermann, geboren am 24. Februar 1811 in Mannheim, war Unternehmer und gleichzeitig als Politiker einer der populärsten Landtagsabgeordneten in der Zweiten Kammer der Ständeversammlung des Großherzogtums Baden. In dieser Funktion war er 1848 maßgeblich an der Schaffung des ersten frei gewählten Parlaments für einen deutschen Nationalstaat – der Frankfurter Nationalversammlung – beteiligt. Dort war er leidenschaftlicher Befürworter einer Erbmonarchie unter Preußens Führung und Gegner der äußersten Linken. Als Vorsitzender des Verfassungsausschusses und Unterstaatssekretär im Innenministerium der Provisorischen Zentralgewalt trug er wesentlich zur Formulierung der Reichsverfassung der Nationalversammlung bei. Bassermann genoss eine privilegierte humanistische und sowohl kaufmännische als auch naturwissenschaftliche Ausbildung, die ihn zunächst in den familiären Eisen- und Drogeriegeschäften arbeiten ließ. Als Verleger gründete er zusammen mit dem Mannheimer Politiker und späteren badischen Staatsminister Karl Mathy 1843 die Bassermannsche Verlagsbuchhandlung (in der Folge und bis heute Bassermann-Verlag München, dessen berühmtester Autor ab 1872 Wilhelm Busch war). Zusammen fungierten die beiden Freunde auch als Herausgeber der liberal-intellektuellen Deutschen Zeitung, einer der einflussreichsten Zeitungen im Vorfeld der Märzrevolution von 1848, die sich als Leitorgan des aufgeklärten bürgerlichen Liberalismus verstand. Als gemäßigter liberaler Verfechter eines gesamtdeutschen Parlaments wurde Bassermann für seine politischen Positionen von seinen Gegnern der radikaldemokratischen Linken lange angefeindet. Die innere Umgestaltung der Staaten des Deutschen Bundes im Sinne des liberalen Verfassungsstaates stand ebenso auf seinem Programm wie die Weiterentwicklung dieses Fürstenbundes zu einem bürgerlichen Nationalstaat. Vergeblich versuchte er die Radikalisierung der Revolution aufzuhalten. Umso intensiver setzte er sich in der Folge für die Wahl des preußischen Königs zum deutschen Kaiser ein. Als Friedrich Wilhelm IV. sich nach einigem Zögern darauf nicht einlassen wollte, standen Bassermann und seine Gesinnungsgenossen vor dem politischen Aus. Die Nationalversammlung war gescheitert. Verbittert zog er sich bereits 1850 aus der Politik zurück. Seelisch gebrochen und körperlich behindert durch ein Augenleiden nahm sich Friedrich Daniel Bassermann im Alter von 44 Jahren das Leben: Er erschoss sich am 29. Juli 1855 einen Tag nach der Goldenen Hochzeit seiner Eltern. Bassermann stammte aus einer der bekanntesten und wohlhabendsten badisch-pfälzischen Kaufmannfamilien. Sein Urgroßvater Johann Christoph Bassermann heiratete 1736 die begüterte Witwe Katharina Parvinci und erwarb von seiner Schwiegermutter das Gasthaus „Zu den drei Königen“ in Heidelberg, das den Grundstein für den Aufstieg der Bassermanns legte. Sein Vater Friedrich Ludwig Bassermann war nach der Heirat mit Wilhelmine Reinhardt (Tochter des Mannheimer Oberbürgermeisters und Tuchhändlers Johann Wilhelm Reinhardt) als Kaufmann und Bankier einer der bedeutendsten Mannheimer Unternehmer und insbesondere im Handel mit Wein, Tabak, Getreide und Stoffen tätig. Das Haus der Familie stand am Mannheimer Marktplatz – das Wohnhaus Friedrichs stand im heutigen Quadrat N7, 5-6. Der nach seinem Großvater benannte Friedrich Daniel war von sechs das Erwachsenenalter erreichenden Kindern das zweitälteste und der älteste Sohn. Friedrich Daniel Bassermann war verheiratet mit der Pfarrerstochter Emilie Karbach (1811–1872) und hatte fünf Kinder, darunter Emil Bassermann, der durch die Heirat mit der Bürgermeister-Tochter Auguste Jordan (1864) die berühmte Winzer-Dynastie Bassermann-Jordan in Deidesheim begründete. |
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